Presse   Stimmen  zu    "Syrandoro"

Goldene Klänge, verbindende Musik

 

Badische Zeitung Maulburg, Mi, 02. Oktober 2019
Von Martina David-Wenk

 

 

Tilo Wachter verzaubert mit seinem jüngsten Projekt "Syrandoro" das Maulburger Dorfstübli.

 

 

MAULBURG (dw). Alte syrische Musik trifft auf die Hang, ein europäisches Instrument, das gerade einmal 20 Jahre alt ist: Mit seinem jüngsten Projekt "Syrandoro" verzauberte Hang-Künstler Tilo Wachter das Maulburger Dorfstübli. Bis auf den letzten Platz war das Kulturhaus ausverkauft. Archaische zauberhafte Klänge ließen die Besucher aus ihrem Alltag entfliehen.


"Was bedeutet Heimat?", fragte Tilo Wachter irgendwann während des Konzertes. "Ich sage, ich komme aus Müllheim, aber zwei Generationen vor mir hat niemand aus meiner Familie dort gelebt. Wir kommen alle irgendwo her", kommentierte der Perkussionist sein Projekt der west-östlichen Begegnung. Die Begegnung von Abdelrahman Hussen, Samano Altahir und Tilo Wachter ist ein Glücksfall. "Syrandoro" könnte mit Gold, das aus Syrien kommt, übersetzt werden. Tilo Wachter selbst sagte, er habe immer nach Möglichkeiten gesucht, wie er die Musik seines noch jungen Instruments mit alter arabischer Musik, der Musik mit Oud und Saz, zu verbinden.

Die goldenen Klänge im Dorfstübli sprengten mit ihrem Zauber die Mauern. Die Musik von Syrandoro ist die Musik der traumseligen Verständigung und Brüderlichkeit. Da war niemand im Saal, der von dieser magischen Klangverbindung nicht berührt worden wäre. Zwar ist die Hang oder Handpan ein noch junges Instrument, doch die Musik klingt, als wenn sie schon immer da gewesen wäre: Ein bisschen wehmütig, sanft und dezent hat die Hang ihren Platz zwischen Rhythmus und Melodie.

Der erste Auftritt gehörte Abdelrahman Hussen, einem Musiklehrer aus Damaskus, der durch den Bürgerkrieg seine Heimat verloren hat. Der Oudspieler im Exil nahm Platz auf der leeren Bühne, begann zu spielen. Die Rhythmik der arabischen Musik nahm die Zuhörer mit. Statt in Maulburg wähnten sich die Zuhörer irgendwo in Syrien oder in einem arabischen Dorf. Als Abdelrahman Hussen sang, rückten die Gäste im Dorfstübli im Geiste noch näher an den Musiker heran. Wahrscheinlich sang er nicht vom Krieg und vom Tod, und doch war das erzwungene Exil mit jeder Silbe spürbar. Abdelrahman Hussen verstand es, die Not und die Sehnsucht in seiner Musik zu verkörpern. Samano Altahirs Saz ist auch eine Laute, sie hat im Gegensatz zur Oud einen langen Hals. Als er und sein Instrument zu Abdelrahman Hussen dazukamen, steigerte sich der Zauber noch. Zur arabischen Sprache kam das Kurdische hinzu, was die Musik keineswegs unverständlicher machte. Diese fremden Klänge wurden durch weitere fremde Klänge ergänzt, die Zuhörer waren ganz nahe an dieser anderen Art der Musik.

Als schließlich Tilo Wachter mit seinen vier Hangs das Trio komplettierte, öffnete sich die arabische Musik und wurde Teil einer musikalischen Gegenwartssprache. So musizierten, improvisierten, sangen die drei Musiker jeder in seiner Sprache und alle in der weltumspannenden Sprache der Musik. Matthias Claudius‘ "Der Mond ist aufgegangen" verbanden sie zuletzt mit einem kurdischen alten Lied. Das deutschen Abendlied verlor sich im Kurdischen, um dann wieder romantisch zu enden. Ein gelungener Schlusspunkt, dem ein fröhlicher Tanz als Zugabe folgte. Großen Applaus gab es von begeisterten Dorfstüblibesuchern.

„Intuition, kompositorisches Fingerspitzengefühl und erstklassiges Handwerk… Melodien blühen auf, in denen das Wissen der ganzen Menschheit in betörend schöne Formeln gegossen ist“  

(Badische Zeitung 2017)